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Richtlinien für die Supervision

Vom 31. August 2010

KABl. S. 178

Das Landeskirchenamt hat in seiner Sitzung am 31. August 2010 gemäß Artikel 139 Absatz 1 Buchstabe g der Grundordnung folgende Richtlinien erlassen:
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§ 1
Geltungsbereich

1 Kirchliche Anstellungsträger ermöglichen haupt- und nebenberuflich Mitarbeitenden in Gemeinde- und Bildungsarbeit in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck die Teilnahme an Supervision. 2 Diese Richtlinien erfassen ebenso die Mitarbeitenden in den evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder, in der pädagogischen und sozialarbeiterischen Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in kirchlichen Körperschaften des öffentlichen Rechts.
3 Supervision ist beispielsweise angebracht für Mitarbeitende:
− die in ihrem Berufsalltag mit besonders komplexen Problemen und großen Belastungen arbeiten,
− die nach Übernahme neuer Aufgaben vor spezifischen Anforderungen stehen,
− nach bestimmten beruflichen Etappen eine Zwischenbilanz ziehen,
− die Konflikte mit beteiligten Personen im Rahmen ihres Dienstauftrages zu bearbeiten haben.
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§ 2
Zielsetzung

( 1 ) 1 Supervision ist ein Prozess gemeinsamen Reflektierens beruflicher Praxis. 2 Im Mittelpunkt dieses Prozesses stehen Menschen in ihrem beruflichen Handeln und in ihren sozialen Bezügen. 3 Sein Ziel besteht darin, Denken, Fühlen und Handeln möglichst in Einklang zu bringen und somit eine effektive und situationsangemessene Arbeit zu fördern. 4 In diesem Sinne dient Supervision sowohl der Qualifizierung als auch der psychischen Entlastung und Stabilisierung.
( 2 ) 1 Supervision in der Kirche will helfen, das berufliche Handeln in seiner Beziehung zum kirchlichen Auftrag sowie zu den Gegebenheiten des jeweiligen Arbeitsfeldes und den persönlichen Möglichkeiten zu verstehen und auszuüben. 2 Dadurch werden kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Fähigkeit gestärkt, mit Menschen umzugehen, denen sie in ihrem Arbeitsfeld begegnen.
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§ 3
Supervisoren

( 1 ) 1 Als Supervisorin oder Supervisor kann tätig werden, wer auf die landeskirchliche Supervisorenliste aufgenommen wurde.
2 Die Aufnahme erfolgt nach folgenden Kriterien:
− anerkannte Ausbildungsabschlüsse gemäß Standards der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv) und der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP),
− Mitgliedschaft in einem Dachverband, insbesondere in der DGSv oder DGfP,
− Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche.
( 2 ) Über die Aufnahme auf die landeskirchliche Supervisorenliste entscheidet auf Antrag das Landeskirchenamt.
( 3 ) 1 Die landeskirchliche Supervisorenliste liegt im Landeskirchenamt vor und kann dort angefordert werden. 2 In diese Liste aufgenommene Supervisoren können frei gewählt werden.
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§ 4
Genehmigungsverfahren

Supervision wird beim Anstellungsträger beantragt oder vom Anstellungsträger veranlasst.
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§ 5
Übernahme der Kosten

( 1 ) 1 Der Anstellungsträger bezuschusst genehmigte Supervision im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel, und zwar:
bis zu 75 % bei Teamsupervisionen, jedoch höchstens 90,00 € je Einheit von 60 Minuten,
bis zu 75 % bei Gruppensupervisionen, jedoch höchstens 75,00 € je Einheit von 60 Minuten,
bis zu 75 % bei Einzelsupervision, jedoch höchstens 60,00 € je Einheit von 60 Minuten.
2 Der dafür erforderliche Zeitaufwand wird aufgeteilt bis höchstens 75% dienstliche und mindestens 25% private Zeit. 3 Fahrtkosten werden nicht erstattet.
4 Ist keine Bezuschussung möglich, kann der erforderliche Zeitaufwand bis zu 100% dienstlich erfolgen.
( 2 ) 1 Wird die Supervision vom Anstellungsträger veranlasst, erfolgt die Kostenübernahme in voller Höhe. 2 Der Zeitaufwand ist in diesem Fall zu 100% dienstlich. 3 Fahrkosten der Supervisanden werden nach der geltenden Reisekostenregelung erstattet.
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§ 6
Umfang

In der Regel umfasst ein Supervisionsprozess bis zu 12 Einheiten. Bei begründetem Bedarf ist auf Antrag eine Verlängerung möglich.
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§ 7
Kontrakt

( 1 ) Die Durchführung der Supervision ist in einem schriftlichen Vertrag entsprechend beigefügtem Mustervertrag1# zu vereinbaren.
( 2 ) Zwischen Supervisor und Supervisand darf kein Abhängigkeitsverhältnis bestehen.
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§ 8
Verschwiegenheit

1 Die an der Supervision Beteiligten unterliegen der Schweigepflicht. 2 Das Recht der Beteiligten, von der Schweigepflicht zu entbinden, bleibt unberührt.
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§ 9
Inkrafttreten

1 Diese Richtlinien treten am Tag ihrer Veröffentlichung im Kirchlichen Amtsblatt in Kraft. 2 Zum selben Zeitpunkt treten die bisherigen Richtlinien in der Fassung vom 2. Juni 1998 außer Kraft.

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1 ↑ Vom Abdruck wurde abgesehen.